Das deutsche Verbraucherschutzministerium hat spezielle Vorstellungen davon, wie das globale Netz funktioniert bzw. mit Blick auf den Datenschutz funktionieren sollte. Das muss nicht falsch sein. Datenschutz ist ein ernstzunehmendes Thema und private Daten in der Tat ein schützenswertes Gut. Aber manchmal muss man auch einen Blick auf die Realitäten werfen. Hier folgen ein paar praktisch motivierte Überlegungen zu den Ideen, das Werben auf ausländischen Plattformen zukünftig stark zu erschweren.
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Als Schweizer Außenposten des Halalati Teams wundere ich mich ja gerne mal über so einige Vorgänge in “Good Old Germany”. Dieser Artikel, letzte Woche auf Spiegel ONLINE veröffentlicht, hat mich jetzt ungefähr eine Woche lang geärgert (nicht wegen Spiegel ONLINE wohlgemerkt). Zeit, den Ärger loszuwerden; und am besten tut man das, indem man sich darüber auslässt.
Natürlich ist es überhaupt keine Frage, dass private Daten und der Zugriff auf selbige bzw. deren Nutzung zu wirtschaftlichen (aber auch sonstigen) Zwecken gewissen Regeln unterstehen sollten. Und es ist auch nicht verwerflich, ein paar davon per Gesetz festzuhalten, weil, allein auf die Gutwilligkeit von wirtschaftlich orientierten Unternehmen zu setzen, führt in der Regel eher zu einem Minimal- als Optimal-Kompromiss. Nun allerdings deutsche Datenschutzgesetze als das globale Maß zu nehmen und eine Art Durchgriffshaftung (ja, der Jurist wird über diese fälschliche Verwendung des Begriffes schimpfen) einzuführen, ist vielleicht auch noch nicht der Optimal-Kompromiss. Irgendwie klingt die Idee unglaublich: Man überlegt, deutsche Unternehmen in Haftung zu nehmen, die Anzeigen oder sonstige Werbung auf Plattformen schalten, die möglicherweise (!) gegen deutsches Datenschutzrechte verstoßen, wobei man hier konkret über Facebook oder Google diskutiert.
Wird das das Ende für Facebook-Marketing?
Ja, Moment. Wo ist denn eigentlich die freie Vertragsgestaltung geblieben? Wenn ich als Unternehmen Werbung auf Facebook schalte, oder dort interaktive Gewinnspiele für meine Fans anbiete, dann richtet sich das ausschließlich an Facebook-Nutzer, die sehr wohl wissen, wo und wem Sie ihre Daten gegeben haben. Auch wenn es der Verbraucherschutz nicht gerne hört, aber wenn ich meine Landsleute für so blöd halte, dass sie nicht frei entscheiden könnten, ob sie bei Facebook Mitglied werden oder nicht, und dann auch nicht in der Lage sind, ihre Daten so zu verwalten, wie sie es gerne hätten (wozu Facebook im übrigen erstaunlich flexible Möglichkeiten gibt), dann läuft da fundamental was falsch. Nochmal: In einem solchen Falle würden sich also zwei Parteien treffen, die genau wissen, wo sie sind, und wo die Daten herkommen und hingehen bzw. sich damit zufrieden gegeben haben, dies eben nicht zu wissen. Das würde ich — zugegebenermaßen Laie — im Rahmen der freien Vertragsgestaltung als möglich erachten.
Dass selbiges für Google und Google Ads etwas komplexer ist, gebe ich zu. Aber mei — es muss ja niemand mit eingeloggtem Google Account im Web surfen. Überhaupt, muss niemand mit Google im Web surfen, aber das beiseite. Gehen wir mal davon aus, dass es für den unbedarften Otto-Normal-Nutzer aus verschiedenen Gründen keinen Weg um Google herum gibt, er oder sie auch dem Ausspionieren der Surfgewohnheiten nichts technisches entgegenzusetzen hat, und jetzt dummerweise, weil er oder sie z.B. mal eine Weile lang nach Kreuzfahrten gegoogelt hat, dauernd mit Reisewerbung beschallt wird. Ist das echt so schlimm, und Privatsphären-schädigend?
Können sich deutsche Unternehmen ein solches “Embargo” leisten?
Nun gut, kann man sagen. Wer in Deutschland verkaufen will, muss und kann halt nur Werbung im Rahmen deutscher Richtlinien machen, und wenn Facebook oder Google dem nicht entsprechen, dann gibt es dort eben keine deutschen Werbekunden mehr. Schön dumm, dass Deutschland leider keine nachhaltigen Facebooks oder Googles hervorgebracht hat, die entsprechend den uns genehmen Richtlinien handeln. Realität in der deutschen Werbelandschaft ist doch, dass es nun mal Google und Facebook sind, die gerade kleinen und mittleren Unternehmen, also der großen Masse, angemessene Plattformen zum Bewerben ihrer Produkte und Services anbieten. Offensichtlich würde eine solche Regelung dann sämtliche Aktivitäten betreffen, die gerade Kleinunternehmer in der Online-Vermarktung sinnvoller Weise tun können, also Google Ads, Facebook Ads oder Kampagnen über Facebook Fanpages, oder sonstige Bannerwerbung über nicht rein-deutsche Affiliate-Netzwerke. Der deutsche Kleinunternehmer ist sicher genau die Zielgruppe, die man hier treffen möchte.
Nimmt man zusätzlich noch an, dass ein gewisser Prozentsatz dieser Unternehmen auch international arbeitet, und dort dann vermutlich wieder Facebook und Google nutzen kann, dann bedient man halt eher eine andere Region, wenn man seine deutschen Kunden nicht mehr erreicht. Alternativ tragen sich bestimmte Geschäftsmodelle halt einfach nicht, und Firmen wie Halalati würden halt nicht gegründet, und würden keine Menschen bei sich beschäftigen. Dafür ist dann aber immerhin ganz sicher, dass eventuell zu beziehendes Arbeitslosengeld nicht an deutsche Werbetreibende auf Facebook, sondern an ausländischen Wettbewerber geht. Auch gut. Etwas plakativ? Ja, aber nicht völlig von der Hand zu weisen.
Ab einem gewissen Punkt, muss man sich bei aller Wertschätzung der Privatsphäre der Deutschen vielleicht doch auch mit dem praktischen Gedanken anfreunden, und auch damit, dass wir doch eigentlich an den technischen und gesellschaftlichen Neuerungen einer westlich-demokratisch angehauchten Welt partizipieren wollen.
Also, nichts für ungut, aber bitte, sehr geehrte Frau Aigner und Berater, überlegen Sie doch nochmal, ob diese Idee nicht doch mehr schadet als nützt!
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