Am gestrigen Montagabend lief auf der ARD die Doku “Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft”. Es ging darum einen tieferen Einblick in die Bedeutung von Facebook für private Personen, Unternehmen und unsere Wirtschaft zu geben und zum Nachdenken anzuregen zu Themen wie “Datenschutz” und “Kommerzialisierung privater Daten” im Internet.

Jeder der es verpasst hat, kann sich auf YouTube die Doku noch einmal ansehen: http://www.youtube.com/watch?v=wzdVlAfQSiY.

Ich habe mir, wie es sich gehört :-) , die Doku auf dem Laptop angesehen und parallel dazu auf Facebook “gesurft” und per Smartphone diverse andere Netzwerke wie Twitter oder Path bemüht, um die Reaktionen auf die Doku zu scannen.

Es war eine wahre Freunde, doch zunächst meine ganz persönliche Einschätzung der Doku.

Ich finde der Doku ist es gelungen, jedem der nicht jeden Tag von morgens bis abends auf Facebook verbringt und sich mit Social Media beschäftigt einen besseren Einblick in das System “Facebook” zu geben.

  • Es wurde u.a. eine junge Familie dargestellt, in der sich die junge Tochter eine Welt ohne Facebook nicht mehr vorstellen kann, um mit Ihren Freunden in Kontakt zu bleiben und einer Mutter, die mehr oder weniger skeptisch, aber doch verständnisvoll, auf diese Entwicklungen schaut.
  • Es wurde u.a. ein Campingplatz Besitzer portraitiert, der Facebook sowohl für sich privat wie auch für sich als Unternehmer nicht mehr wegdenken kann. Wohlwissend um den Umgang von Facebook mit seinen privaten Daten, sieht er Facebook als nachwievor “freiwilliges” Hilfsmittel, das jedem Internetnutzer freistellt es zu nutzen oder auch nicht.
  • Es wurden u.a. Experten, Forscher und Datenschützer vorgestellt wie z.B. Curt Simon Harlinghausen oder Thilo Weichert, die das Modell “Facebook” einerseits einfach erklärten und Hintergründe erläuterten aber auch warnten vor möglichen Gefahren, die sich hinter dem Modell Facebook verbergen.
In Summe, wie ich finde, eine “runde” Darstellung des Modells “Facebook” sowie eine, zugegebenermaßen nicht allzu tiefe, aber dennoch vorhandene Analyse der “Chancen”
  • der Versuch die Welt etwas “offener” und “verbundener” zu machen (ok, das könnte auch pathetisch klingen, ist aber so :-) )
  • neuer Arbeitsplätze und neue Industriesektoren zu schaffen, sowie
  • ein generationenübergreifendes Medium zu schaffen über das man sich unterhält und sich mit dem täglichen Leben auseinandersetzt
sowie der  ”Risiken”
  • Offenlegung persönlicher Informationen (Stichwort: totale Transparenz)
  • Nichtbeachtung möglicher Gesetze und Richtlinien zum Datenschutz
  • Kommerzialisierung privater Daten
die sich hinter “Facebook” verbergen.

Trotzdem war der Tenor der Doku, typisch Deutsch, eher negativ eingefärbt mit Notionen wie

  • “Facebook ist böse, weil es Deine Daten verkauft” oder
  • “Facebook handelt illegal, da es sich an keine Gesetze oder Richtlinien zum Datenschutz hält” oder
  • “Facebook ist Geldmacherei”

Das finde ich schade. Im Internet muss letztlich jeder Anbieter von Diensten oder Inhalten Umsätze erwirtschaften, um zu überleben. Wenn es keine Nutzungsgebühren für die Nutzung eines Dienstes erhebt, dann wird der Nutzer selbst zum Produkt. Das mag nicht immer schön sein, leider ist es jedoch so. Für den Internetnutzer muss das nicht immer schlecht sein. So sehen das auch viele User, wie ich es Facebook gestern häufiger lesen konnte

 ”lieber Werbung erhalten die mich wirklich interessiert, als Dutzende Broschüren, die direkt bei mir in der Papiertonne landen

Auch war rein inhaltlich nicht viel Neues dabei, was der aufmerksame Facebook User nicht eh schon wusste bzw. schon längst im Internet Common Practice ist. Das muss man gestehen.
  • Dass mit dem Sammeln personenbezogener Daten (z.B. Tracking des Surfverhaltens im Internet über Cookies) Werbung noch gezielter ausgesteuert werden kann ist nichts Neues.
  • Dass Daten Deutscher User nicht immer nur in Deutschland gespeichert werden ist in Zeiten von Cloud Computing auch nicht so richtig überraschend.
  • Dass Facebook über die veröffentlichten Daten seiner Facebook User Geld verdient war zu erwarten wenn der Dienst sonst umsonst ist.
In Summe jedoch eine, aus meiner Sicht, gelungene Doku,
  • die “Facebook” wieder ein Stück mehr in die Weltöffentlichkeit gebracht hat und
  • etwas aufklärt wie “Facebook” genau funktioniert und immer mehr zum Teil des täglichen Lebens wird.

Es wird spannend zu sehen, ob es irgendwann eine große Gegenbewegung geben wird, in der sich viele Internet User wieder in Pseudonyme und Anonymität flüchten oder wir irgendwann nicht mehr merken wann genau wir wo eigentlich Facebook und Social Media nutzen, da es schlichtweg Teil das täglichen Lebens geworden ist.